Neue Lebensabschnitt für junge Ringkampftalente beginnt

Bericht: Manja Braunsdorf

Joy-Chantal Kießler und Max Neubert vom AC Germania wechseln mit dem neuen Schuljahr an die Sportschule

Erstmals seit vielen Jahren können wieder zwei junge Germanen zur Sportschule delegiert werden. Dies war kurz vor Beginn des neuen Schuljahres Grund genug für eine lockere Gesprächsrunde im Ringerhaus in Artern mit den beiden jungen Sportlern. Max Neubert aus Ringleben und Joy-Chantal Kießler aus Gorsleben kamen gut gelaunt zum Interviewtermin. Manja Braunsdorf, selbst mal Internatsschüler und mit Option zur Sportschule nach Halle versehen, hatte viele Fragen an die jungen Ringkämpfer, aber auch an ihre Trainer und die Eltern.

Max wird ab dem kommenden 7. Schuljahr, das Sportgymnasium in Leipzig und das Leistungszentrum in der Leplaystraße besuchen. Trainer werden hier, neben dem in Artern gut bekannten, Andreas Bering, auch Daniel Wilde und Florian Rau sein. Max trainiert schon seit seinem 5. Lebensjahr beim AC Germania Artern. Damals animiert durch ACG Coach Michael Kinitz, welcher bei Papa Thorsten Neubert angestellt war, besuchte Max das Ringkampftraining. Neugierig prüfend, was Ringen denn so eigentlich ist und ob das Training in Artern Spaß macht. Die ersten Einheiten auf der Ringermatte gefielen und Max blieb der Sportart treu. Auf die Frage, was ihm an diesem Kampfsport so gefällt, fand Max klare Worte. Der Spaß, die Erfahrung beim Wettkampf, das persönliche Kräfte messen mit anderen Sportlern, die Möglichkeit neue Freunde zu finden und die Disziplin, die die Sportart Natur gemäß mit sich bringt, all das gefällt ihm. Aber er betonte auch, dass gerade das Training in Artern, die Gemeinschaft und abwechslungsreichen Trainingslager, aktive gemeinsame Ausflüge und gesellige Grillnachmittage mit der Trainingsgruppe in immer wieder bei seiner Entscheidung für den Sport bestärkt haben. Das er sich trotzdem für den neuen Weg und den Wechsel an die Sportschule entschieden hat, hat rein sportliche Gründe und soll den Kontakt zum Verein und den Sportfreunden in Artern auch nicht schmälern. Die Sportschule bietet intensivere Trainingsmöglichkeiten, mehr anspornende Trainingspartner und die Chance, die persönliche Leistung zu verbessern und eigenen sportlichen Zielen weiter näher zu kommen. Seine erste Zielstellung konnte Max unmissverständlich verdeutlichen. Deutscher Meister möchte er werden, aber auch bei internationalen Turnieren erfolgreich an den Start gehen. Der Rest wird sich dann zeigen. Gefragt nach seiner Lieblings-Ringertechnik schaute er kurz zu Coach Gerhard Günther und erklärte dann sofort, na klar, der Wurf über die Brust im Griechisch und die sog. Spindel (Beinschraube) im Freistil. Beides kann er gut und wendet er auch gern an. Für Leipzig entschied sich Max, da dort bereits viele bekannte Sportfreunde trainieren und Weitere mit ihm dorthin wechseln. Die Schule und das Trainingszentrum genießen seit Jahrzehnten einen guten Ruf und deren Sportler sind sehr erfolgreich. Ein Punkt der die Entscheidung für Leipzig ebenfalls beeinflusste, ist die doch geringe Entfernung in die Heimat. Max möchte versuchen auch weiterhin in Artern ab und zu mittrainieren zu können. Wenigstens an den Freitag Abenden. Die Abschlussfrage konnte Max auch – wie aus der Kanone gefeuert – beantworten. Sein sportliches Vorbild im Ringen ist Frank Stäbler, selbst noch aktiv und mittlerweile zweifacher Weltmeister und mehrfacher Deutscher Meister. Sicher eine gute Wahl.

Joy-Chantal wird ab 20. August ebenfalls die 7. Klasse besuchen, nicht in Leipzig, sondern an der Sportschule und dem Ringerleistungszentrum in Frankfurt/Oder. Sie folgt damit ihrer ehemaligen Arterner-Sportfreundin und ihrem persönlichen Vorbild Katharina Gilewitsch, welche schon einige Jahre die Sportschule besucht. Zum Ringen kam Joy über ihre Schulfreundin Lena Bauer. Diese erzählte der damals 8-jährigen vom Ringkampftraining und überredete sie, doch einmal mitzukommen. Sie hatte dann Spaß an dem Training, lernte viele neue Freunde kennen. Schade findet sie heute nur, dass nicht mehr so viele Mädchen, wie bei ihrem Eintritt, den Sport mit betreiben. Dies, so betonte sie, soll nicht heißen, dass sie mit den Jungs nicht zurechtkommt. Das gemeinsame Training ist kein Problem und ist im Ringkampfsport für die Jugendlichen normal. Joy schätzt beim Ringen die direkte Auseinandersetzung und die regelmäßig aktive sportliche Betätigung, die sie körperlich mehr fordert, als manche andere bekannte Sportart. Für die Sportschule in Frankfurt entschied sie sich, weil sie sich davon eine Leistungssteigerung erhofft, sie mit anderen Mädchen und deutlich mehr Trainingspartnerinnen trainieren kann. Auch die zukünftige Selbstständigkeit, die sich schon aus dem Internetaufenthalt in der Ferne ergibt, sieht sie als Herausforderung und Ansporn. Joy freut sich aber auch auf die Ringkampffreundinnen, die schon dort sind bzw. welche mit ihr den Start in der Schule beginnen. Mit ihrem Vorbild Katharina steht sie schon lange in Kontakt. Auch in Frankfurt wird man sich sicher trotz des Altersunterschiedes auf und neben der Matte begegnen. Als erstes Ziel für sich setzte sie den Sieg bei der Mitteldeutschen und Deutschen Meisterschaft. Ihre zukünftigen Trainer, sind ihr schon bekannt. Sie wird von dem in Artern ebenfalls gut bekannten und erfahrenen Felix Thätner und Sportfreund Marc Wentzke trainiert. Marc Wentzke hat erst kürzlich seine aktive Laufbahn beendet und widmet sich nun voller Energie den jungen Talenten. Felix hat von 2006 bis 2008 in Artern in der Mannschaft gerungen. Danach ging er in seine Heimat nach Frankfurt zurück und trainiert und betreut seit Jahren erfolgreich die Mädchen und Damen am Leistungszentrum. Joy begibt sich also in guten Hände. Hierbei möchte Joy auf ihre bisherigen Kenntnisse aufbauen. Auf die Frage, welche Technik sie besonders gern ausführt antwortete sie ebenfalls… die Spindel. Überraschend beantwortete sie die Frage nach ihrem Lieblingsschulfach, neben dem Sport natürlich, mit der Fremdsprache Russisch. Dies ist für die sportliche Zukunft und dem Austausch auf internationalen Parkett sich kein Hindernis, sondern sehr förderlich.
Dass die Sportschule für beide einen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt bedeutet, in einiger Entfernung zu den Eltern, Geschwistern und heimischen Freunden, ist beiden bewusst. Aber sie sehen es auch als Chance den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen und Eigenverantwortung zu zeigen. Und mit einem Lächeln stellten sie fest, dass Dank moderner Medien der Kontakt nach Hause und zu Freunden schnell möglich ist.
Beide konnten vor der abschließenden Entscheidung für die Schule in der Ferne die Einrichtung prüfen, sich mit den Abläufen vor Ort und der zukünftigen Trainings- und Schulplanung vertraut machen. Max absolvierte eine einwöchige Schnupperwoche und durchlief Schule, Training und Internatsleben. Gut findet er, dass es vor Ort feste Ansprechpartner für alle Belange gibt und er den Neuanfang mit Freunden aus der Ringergemeinde beginnen kann. Joy war ebenso bereits vorab in Frankfurt, konnte sich die Bedingungen vor Ort genau anschauen und holte sich Rat bei anderen ihr bekannten Ringerinnen. Hier erfuhr sie auch, dass sie in eine reine Ringerklasse kommt, welche sich voraussichtlich aus 14 Jungen und 7 Mädchen zusammensetzen wird. Beide fanden diese Möglichkeit des vorher Reinschnupperns richtig gut. Hinzu kam für Beide eine genaue sportmedizinische Untersuchung und die ärztliche Freigabe für den Besuch der jeweiligen Sportschule.

Die Trainer Gerhard Günther und Michel Kinitz unterstützen die Entscheidung der Jugendlichen. Sie bedauern natürlich den Weggang aus der Trainingsgruppe, wissen aber um die sportlichen Chancen für die Beiden. Gerhard Günther freut sich für Max und Joy und verbindet den Weggang mit der Hoffnung, dass es beide schaffen und eines Tages die Farben des AC Germania auf internationaler Ebene vertreten können. Er riet ihnen, immer nach vorn zu schauen, auch, wenn es mal schwierig wird oder Heimweh wehmütig macht. Er berichtete von seinen eigenen Erfahrungen seines Sportschullebens und machte ihnen Mut. Hierzu übergab er eine kleine Enzyklopädie der Olympischen Spiele von 1992, als der heutige Trainer der Nationalmannschaft (GR) Maik Bullmann Olympiasieger geworden ist. Jugendtrainer Michael Kinitz fällt der Abschied ebenso schwer, aber die Entscheidung für die Sportschule wurde von Anfang an unterstützt und daraufhin gearbeitet. Er freut sich für beide und versprach regelmäßig den Kontakt zu halten. Das Ringerherz beider Trainer sieht halt die sportlichen und persönlichen Chancen für den Nachwuchs, die sich jetzt mit ihrem eigenen Engagement bieten können.

Die Eltern waren am Interviewnachmittag natürlich mit vor Ort. Diese Unterstützung ist man von ihnen gewohnt und anerkennenswert. Mit viel Engagement und Einsatz werden ihre Kinder seit Jahren unterstützt. Für Mutti Jenny Kießler fällt der Schritt natürlich schwer, aber dies hält sie und ihren Mann nicht davon ab, Joy in allen Belangen zu unterstützen und ihr den Weg an die Sportschule zu ermöglichen. Für Vater Neubert und seine Frau hat die Unterstützung der Kinder in der Familie Priorität, das ist bei Max‘ Schwestern so und so war und ist es auch für die Interessen des Sohnes. Max zeigte sich begeistert von der Schnupperwoche in Leipzig, dass überzeugte auch die Eltern.

Der AC Germania wünscht beiden Sportlern eine schöne, sportunfallfreie und intensive Zeit an der Sportschule und einen erfolgreichen neuen Weg in der großen Ringerfamilie.

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