„Ob einer deutsch ist oder nicht, ist dabei egal!“

Bericht: Florian Dobenecker

Sport macht Spaß. Sport verbindet. Sport schafft Gemeinschaft. Über alle Sprach- und Verständigungsbarrieren hinweg, bringt insbesondere der Teamsport Menschen zusammen, schafft Raum zum Kennenlernen und Interagieren. Gerade, wenn es um Integration von Flüchtlingen geht, kann das gemeinsame Erlebnis im Verein Barrieren abbauen und Verständnis schaffen. Dass dies auch wirklich der Fall ist, beweisen die Ringer vom AC Germania Artern. Der Verein könnte geradezu als Paradebeispiel angeführt werden, um zu zeigen, wie insbesondere junge Flüchtlinge in Thüringer Kleinstädten integriert werden können

Über 20 Migranten sind derzeit im Ringerverein in Artern aktiv. Davon trainieren allein 17 im Kinder- und Bambinibereich, und das nicht zuletzt dank des Einsatzes von Lothar Finke, dem Vereinsvorsitzenden des AC Germania, der die Gründe für das Engagement an vielen Dingen festmacht: „Wir haben immer schon internationale Kontakte gepflegt. Mit dem Club waren wir bereits in Polen, Rumänien, Ungarn und vielen weiteren Ländern.“

Wie der 62-Jährige mitteilt, seien die Ringer aus Artern bereits zu diversen Turnieren in ganz Europa gefahren. Darüber hinaus sieht der Vereinsvorsitzenden die Sache ganz pragmatisch: „So haben wir die Chance, ein paar Talente zu erreichen und Nachwuchs zu bekommen.“ Finke begann bereits 2015, „als es mit den Flüchtlingen anfing“, Initiative zu zeigen.

„Zunächst habe ich bei der Stadt Artern nachgefragt. Dort konnte man mir nicht helfen. Erst Gaby Schmidt, von der Thüringer Initiative für Integration, Nachhaltigkeit, Kooperation und Aktivierung (Thinka) in Artern, vermittelte einen Kontakt.“

Anfänglich sei es nicht so einfach gewesen. Laut dem 62-Jährigen waren die Flüchtlingsfamilien sehr zurückhaltend und vorsichtig. Doch durch die Vermittlung der Thinka-Mitarbeiterin kamen erste Treffen mit den Kindern zustande. „Am Anfang machten wir Spiele und verschiedene Sportarten. Ende 2015 konnten die ersten Jungs in das Vereinstraining integriert werden,“ erinnert sich Lothar Finke, der daraufhin seine Kontakte nutzte und alle Hebel in Bewegung setzte, um Sportsachen für die Kinder zu organisieren. „Die Kleinen brauchten ja T-Shirts und Schuhe. Außerdem habe ich versucht, auch andere Sachspenden zu bekommen.“

Der Vorsitzende schrieb Firmen an, nutzte Kontakte zum Sportbund und konnte sogar einzelne Händler zum Spenden bewegen. „Von einem netten Freund habe ich ein Fahrrad bekommen und dieses gleich weitergegeben. Es war so niedlich, wie sich die Kleinen alle gefreut haben“, schmunzelt Finke, der sich selbst darüber hinaus auch manchmal hinters Steuer klemmt, um die neuen Vereinsmitglieder zu chauffieren.

„Die Kids treffen sich bei der Thinka und werden dann zum Training gefahren.“ Einmal wöchentlich wird in der Turnhalle des AC Germania gemeinsam Sport gemacht. „Die Flüchtlingskinder sind sehr eifrig. Da sieht man richtig, dass die wollen, die meisten würden am liebsten jeden Tag zum Training kommen.“ Der 62-Jährige ist sichtlich begeistert und bemüht, Vorurteilen entgegenzutreten.

„Eigentlich gibt es keine großen Unterschiede zwischen den deutschen und den ausländischen Kindern. Beim Sport, im Team sind alle gleich. Es wird bei allen darauf geachtet, dass Disziplin herrscht.“ Egal ob Migrant oder Einheimischer – die Sportler des AC sind laut Finke immer bemüht, den Kindern etwas beizubringen. Und fünf von den Nachwuchsringern zeigen wohl überdurchschnittliches Potenzial: „Bei den Kleinen sind die körperlichen Voraussetzungen gut. Einige haben sogar bereits Medaillen gewonnen.“

Teamgeist und Respekt werden befördert

Das Vereinsleben befördert die Integration der Flüchtlingskinder im großen Maße. Durch den Sport lernen die Kleinen spielerisch Sprache, Zusammenhalt, deutsche Gepflogenheiten und Hygiene. Ebenso werden der Teamgeist und der Respekt vor den Mitmenschen befördert, ist sich Finke sicher. Doch auch wenn es gut läuft, seien immer wieder Spenden notwendig.

„Der Verein kann nicht alles übernehmen. Ringertrikots sind nicht billig. Und die Kinder wachsen ja auch, brauchen öfters neue Schuhe und dergleichen.“ Ungeachtet dessen ist der­ AC Germania Artern froh, dass Nachwuchs in den Verein kommt, so Finke: „Und ob einer deutsch ist oder nicht, ist dabei egal!“

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2 Responses to „Ob einer deutsch ist oder nicht, ist dabei egal!“

  1. WW says:

    Mit dem Ausscheiden von Gerd Pillep hat das Arterner Ringen seine Gallionsfigur verloren. Es wird nie wieder solche Erfolge geben,wie sie unter seiner Präsidentschaft errungen wurden.

    Ich halte es für unwahrscheinlich das daß derzeitige Multi-kulti Getue dem Ringkampfsport in Artern wieder zu alter Größe verhelfen wird. Ganz im Gegenteil, es wird zu einem Hinterhofringen verkommen.

  2. Richtig !!! Das gild auch für meinem Freund Hasam Sherzad. Sollte sein „Bleiberecht“ abgelehnt werden, legen wir Wiederspruch ein ! Wir Arterner Ringer hatten schon immer gute Kontakte mit Sportlern anderer Länder. Denken wir nur dabei an unsere Freundschaft mit UFA in Baschkirien. Das sind und bleiben unsere Freunde ! Auch zu DDR Zeiten, als russische Sportler in unserer Mannschaft gerungen haben, Utenkov, Karlov, Korban, Kriwitzki, Galkin usw. Sie haben unsere Fans mit ihren Leistungen begeistert. Freundschaft kennt keine Grenzen, egal was Politiker gern möchten.

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