Der AC Germania Artern verliert gegen die WKG Pausa/Plauen mit 8:18. Zur Halbzeit steht es 7:7, doch nach dem Seitenwechsel setzen sich die Erdachsenstädter durch. Die Germanen zeigen eine starke erste Hälfte und beweisen einmal mehr, dass sie auch die Großen der Liga ärgern können.
Die WKG Pausa/Plauen reiste mit einer starken Mannschaft nach Artern. Im Aufgebot der Gäste standen nationale Spitzenringer und international erfahrene Athleten. Für den AC Germania Artern war die Aufgabe damit alles andere als einfach. Doch die Grün-Gelben hielten von Beginn an dagegen und lieferten sich mit dem Favoriten eine erste Hälfte, die für Spannung und Hoffnung sorgte. Zur Pause war beim Stand von 7:7 tatsächlich eine Überraschung in Reichweite. Danach zeigte Pausa jedoch, warum die Mannschaft zu den stärksten der Liga gehört. Mit ihrer Qualität und Erfahrung entschieden die Gäste die zweite Hälfte deutlich für sich und nahmen mit 18:8 beide Mannschaftspunkte mit.
Den Auftakt machte Justin Scheppner im Freistil bis 61 Kilogramm. Gegen den bislang ungeschlagenen Noorallah Ahmadi bekam er allerdings kaum Gelegenheit, selbst Akzente zu setzen. Der Pausaer machte von Beginn an Druck, sammelte schnell Wertungen und beendete den Kampf nach nur 56 Sekunden mit einem Schultersieg. Hier wurde die individuelle Klasse der Gäste deutlich.
Im Schwergewicht bis 130 Kilogramm folgte die erste Antwort der Germanen. Sebastian Warchol war am Freitag erst von der U23-Weltmeisterschaft in Las Vegas zurückgekehrt und stand bereits am Samstag wieder auf der Matte. Die Reise steckte ihm sichtbar in den Knochen. Gegen Konrad Schütz fand er nur schwer in den Kampf und musste zunächst einem Rückstand hinterherlaufen. Ärgerlich war eine Zweierwertung für den Pausaer, obwohl dieser die Zone als Erster verlassen hatte. Kampfrichter Michel Breidel vom Zschopauer RV ließ die Aktion dennoch gelten. Sebastian ließ sich davon nicht entmutigen, mobilisierte seine letzten Kräfte und holte sich mit einer Wertung kurz vor Schluss den knappen 3:3-Punktsieg. Da die letzte Wertung für ihn sprach, ging der Mannschaftspunkt an Artern.
Für eine weitere Überraschung sorgte Illia Bilous im griechisch-römischen Stil bis 66 Kilogramm. Als Freistiler musste er gegen Patryk Krobski antreten, einen mehrfachen polnischen Meister und Teilnehmer internationaler Meisterschaften. Krobski bestimmte zwar über weite Strecken die Kampfart, doch Illia blieb aufmerksam und wusste die Zone clever für sich zu nutzen. Mit kleinen, aber wichtigen Wertungen hielt er seinen Gegner auf Abstand und setzte sich schließlich mit 10:3 durch. Zwei Mannschaftspunkte für Germania, die gegen einen derart erfahrenen Gegner besonders wertvoll waren.
Im Freistil bis 98 Kilogramm wartete mit Michal Bielawski ebenfalls ein international erfahrener Spitzenringer auf Hendrik Jahn. Bielawski setzte Jahn vor allem in der ersten Hälfte mit Angriffen und Täuschungsbewegungen unter Druck und erarbeitete sich ein solides Polster. Doch Hendrik gab sich nicht auf. Mit zunehmender Kampfzeit fand er besser in die Begegnung, hielt stärker dagegen und gestaltete die zweite Hälfte deutlich ausgeglichener. Für eine eigene entscheidende Aktion reichte es am Ende jedoch nicht mehr. Bielawski gewann mit 9:1 und sicherte Pausa drei Mannschaftspunkte.
Dann kam der Auftritt von Malte Guthmann. Im Freistil bis 71 Kilogramm traf er auf Andrei Zugrav und lieferte sich mit ihm einen echten Leckerbissen für die Zuschauer. Beide Ringer agierten offensiv, suchten ihre Chancen und verteidigten zugleich aufmerksam. Zugrav konnte zunächst dagegenhalten und selbst punkten. Doch Malte fand immer besser in den Kampf, setzte einen Beinangriff nach dem anderen an und brachte seinen Gegner zunehmend in Bedrängnis. Eine erste gefährliche Schultersituation überstand Zugrav noch. Beim nächsten Angriff war der Widerstand schließlich gebrochen. Nach 5:27 Minuten machte Malte mit einem Schultersieg den Sack zu. Vier Mannschaftspunkte für Artern und großer Jubel in der Halle.
Zur Pause stand es somit 7:7, die Germanen hatten gegen eine hochkarätig besetzte Pausaer Mannschaft eine ihrer besten ersten Hälften der Saison gezeigt. Die Hoffnung auf eine Überraschung war berechtigt. Doch die Erdachsenstädter hatten noch einige Trümpfe in der Hinterhand.
Nach der Pause musste sich Jonas Michel im griechisch-römischen Stil bis 86 Kilogramm mit Maximilian Andreas Schwabe messen. Der gebürtige Pausaer hatte bis zur vergangenen Saison erfolgreich in der Bundesliga für Lichtenfels gerungen und bestritt in dieser Saison seinen ersten Kampf. Schwabe ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Klasse nicht verloren hatte. Angriff um Angriff sammelte er Punkte, während Jonas nur wenige Möglichkeiten fand, selbst gefährlich zu werden. Nach 5:11 Minuten stand die technische Überlegenheit des Gastes fest.
Auch Ali Abdulridha bekam es mit einem erfahrenen Gegner zu tun. Im griechisch-römischen Stil bis 75 Kilogramm entwickelte sich gegen Max Schmalfuß, der früher am Leipziger Stützpunkt ausgebildet wurde, ein intensiver Kampf. Ali suchte wie gewohnt seine Chancen über Würfe, doch Schmalfuß war gut vorbereitet. Zwei Wurfversuche des Arterners konterte er geschickt und nahm Ali damit die Möglichkeit, den Kampf zu seinen Gunsten zu lenken. Am Ende setzte sich der Pausaer mit 6:2 durch.
Im Freistil bis 80 Kilogramm traf Armin Babaeitapekali auf Hannes Thiesler, einen Gegner, den er aus zahlreichen Wettkämpfen gut kannte. Beide wussten, dass eine enge Begegnung bevorstand. Armin bestimmte mit seiner ruhigen Art zunächst das Geschehen, konnte daraus jedoch keine eigenen Wertungen erzielen. In der zweiten Hälfte erhöhte Thiesler den Druck und nutzte zwei clevere Angriffe, um sich entscheidend abzusetzen. Armin kämpfte weiter, konnte den Rückstand aber nicht mehr aufholen. Thiesler gewann mit 8:2 nach Punkten.
Im Freistil bis 75 Kilogramm traf Felix Wächter auf das erfahrene Pausaer Urgestein Eryk Maj. Der mehrfach ausgezeichnete polnische Meister und Teilnehmer internationaler Meisterschaften zeigte von Beginn an seine Routine. Felix hielt gut dagegen, musste aber noch vor der Pause eine entscheidende Wertung hinnehmen. Im zweiten Abschnitt fand der Arterner besser in den Kampf und kam selbst zu einer aussichtsreichen Situation. Maj reagierte jedoch abgeklärt, konterte den Angriff und sammelte weitere Punkte. Auch Felix‘ Versuch, kurz vor Schluss noch einmal alles nach vorne zu werfen, beantwortete der Pausaer mit seiner Erfahrung. Maj gewann mit 10:1 und holte drei Mannschaftspunkte.
Den Schlusspunkt setzte Franz Günther im griechisch-römischen Stil bis 80 Kilogramm gegen Sid Wetzel. Von Beginn an war klar, dass die Bodenlage entscheidend werden könnte. Franz verteidigte zunächst erfolgreich und nutzte anschließend seine Chance, um sich mit einer Rolle die Führung zu sichern. In der Schlussphase wurde es noch einmal hitziger. Wetzel versuchte, den Kampf zu drehen, doch Franz blieb konzentriert und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Mit einem 3:1-Punktsieg sicherte er den Germanen den letzten Einzelerfolg des Abends.
Am Ende stand eine 8:18-Niederlage, die angesichts der starken ersten Halbzeit besonders deutlich macht, wie schmal der Grat zwischen Überraschung und erwartbarer Niederlage sein kann. Pausa war an diesem Abend verdient erfolgreich. Die Qualität und Breite des Kaders machten sich nach der Pause bemerkbar. Doch Artern hat gezeigt, dass die Mannschaft über weite Strecken mithalten kann und auch favorisierte Gegner in Schwierigkeiten bringen kann.
Der AC Germania Artern beendet die Hinrunde auf dem siebten Tabellenplatz mit zwei Siegen. Sicher wäre mit einer vollständig besetzten Mannschaft in einzelnen Begegnungen mehr möglich gewesen. Dennoch blickt das Trainerteam zufrieden auf die bisherige Entwicklung. Die Mannschaft wächst zusammen, einzelne Ringer setzen wichtige Ausrufezeichen und der Kampfgeist stimmt. Jetzt gilt es, weiter an den Details zu arbeiten und sich für den betriebenen Aufwand noch häufiger zu belohnen.
Nach einer Woche Pause wartet mit der Bundesliga-Reserve aus Aue bereits die nächste schwere Aufgabe. Der aktuelle Tabellenführer wird den Germanen erneut alles abverlangen. Doch der Auftritt gegen Pausa hat gezeigt: Die Grün-Gelben müssen sich nicht verstecken. Wenn sie ihre Chancen nutzen und über die gesamte Mannschaftsbreite hinweg dagegenhalten, können sie auch dem Favoriten das Leben schwer machen.
AC! AC! AC!
Bericht: Tim Walther Bilder: Lena Böhm
