Ein Abend zwischen Kampfgeist und strittigen Entscheidungen

Bericht: Tim Walther

Der AC Germania Artern unterliegt am 05.09.2026, dem dritten Kampftag der Regionalliga Mitteldeutschland, dem RC Germania Potsdam mit 8:16.
Nach einem 0:15 Rückstand zur Pause kämpfen sich die Germanen zurück – doch für die Wende reicht es am Ende nicht mehr.

Doch nun von Anfang an.
Man kennt sich. Und man weiß, was einen erwartet. Wenn der AC Germania Artern und der RC Germania Potsdam aufeinandertreffen, geht es selten um klare Rollenverteilungen. Über mehrere Jahre sind sich beide Mannschaften immer wieder auf Augenhöhe begegnet. Mal jubelten die Havelstädter, mal wir.
Auch diesmal rechneten wir uns einen engen Kampfabend aus. Einen klaren Favoriten gibt es bei diesem Duell ohnehin selten. Doch neben den beiden Mannschaften sollte an diesem Abend auch Kampfrichter Vladislaw Grigoriev aus Luckenwalde, der für die zuvor gesetzte Saskia Buchwald einsprang, eine Rolle spielen.

Bereits der Auftaktkampf sorgte für Diskussionen. Tim Salzmann traf im ungeliebten Freistil auf Dennis Bartsch und verkaufte sich hier teuer. Der Arterner rang aktiv, konnte jedoch zwei schnelle Angriffe des Potsdamers nicht entscheidend verteidigen. Gleichzeitig wurde Tim in der ersten Runde wegen Passivität verwarnt. Nachdem Bartsch in Führung gegangen war und sich anschließend mehrfach dem Kampf entzog, blieb eine vergleichbare Ermahnung des Kampfrichters aber aus.

Im folgenden Schwergewicht musste Philip Kraus erneut für den verletzten Sebastian Warchol einspringen. Im griechisch-römischen Stil bekam er es mit Ole Sterning zu tun. Dieser ist mehrfacher Deutscher Meister und U17-Vizeweltmeister 2024. Philip hielt dagegen und machte es seinem Gegner nicht leicht. Kurz vor Schluss wurde der Arterner jedoch verwarnt – Sterning konnte dadurch die technische Überlegenheit erreichen.

Auch Omid Sayadi zeigte gegen den mehrfachen Deutschen Meister Anton Schneider einen guten Beginn. In der Bodenlage bekam Schneider seine starken Heber durch. Für Verwunderung in der Arterner Ecke sorgte eine Vier-Punkte-Wertung nach einem Wurf von der Bauchlage in die Bauchlage. Am Ende setzte sich Schneider mit 10:1 durch.

Dann folgte der vielleicht bitterste Kampf des ersten Halbzeit.
Hendrik Jahn bekam mit Filip Szucki einen echten Brocken vorgesetzt. Der Potsdamer ist mehrfacher polnischer Meister und Teilnehmer internationaler Meisterschaften. Hendrik rang gut mit und machte Szucki das Leben schwer. Der Potsdamer schob den Arterner jedoch immer wieder ohne echten Versuch einer Technik aus der Kampffläche. Drei Verwarnungen wegen Mattenflucht führten schließlich zur höchst umstrittenen Disqualifikation von Hendrik.

Im letzten Kampf vor der Pause standen sich Malte Guthmann und Shaheer Baraki gegenüber. Malte sollte das Ruder noch herumreißen, doch an diesem Abend war der Potsdamer der cleverere Kämpfer. Malte fand kein Mittel, um selbst Akzente zu setzen, während Shaheer seine Schnelligkeit nutzte, um die Angriffsversuche des Arterners immer wieder zu kontern.

Damit stand zur Pause ein ernüchterndes 15:0 für Potsdam auf der Anzeigetafel.
Ein Zwischenstand, den sich die Germanen anders vorgestellt hatten.
Doch abgeschrieben war die Mannschaft noch lange nicht.

Ondrej Havelka eröffnete die zweite Hälfte mit starker Vorstellung. Sechs Minuten lang marschierte er nach vorn und setzte Simon Papsdorf unter Druck. In der Bodenlage punktete Havelka mehrfach mit Rollen und brachte seinen Gegner zeitweise an den Rand einer technischen Niederlage. Papsdorf rettete sich dabei an die Mattenkante aus der Situation. Eine mögliche Mattenflucht blieb jedoch ohne Konsequenz.
Auch im weiteren Verlauf bestimmte Ondrej das Geschehen und stellte den Potsdamer immer wieder in die Passivitätszone. Die Bewertung fiel aus Kampfrichter Sicht allerdings anders aus und der Potsdamer bekam trotz Rückwärtsgang die Aktivität zugesprochen. Havelka ließ sich davon nicht beirren und gewann mit 7:1. Die ersten beiden Mannschaftspunkte gingen nach Artern.

Danach wurde es hitzig. Franz Günther musste wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Michal Tomaszewski auf 75 Kilogramm abkochen. Dort wartete mit Nataniel Troczynski ein weiterer polnischer Nationalringer. Es entwickelte sich ein intensives Duell, in dem Troczynski immer wieder mit Kopfstößen glänzte und Franz dafür mehrfach durch den brandenburgischen Kampfrichter ermahnt wurde, fair zu ringen. Der Arterner ließ sich jedoch nicht auf die Spielchen ein und entschied den Kampf mit 2:2 für sich aufgrund der letzten Wertung.

Armin Babaeitabekali setzte anschließend ein weiteres Ausrufezeichen. Gegen Daud Elembaev bestimmte der Arterner über sechs Minuten das Geschehen, marschierte nach vorn und setzte seinen Gegner permanent unter Druck. Mit 11:0 holte Armin verdient drei Mannschaftspunkte für Artern.
Trotzdem gab es erneut Diskussionsstoff bei diesem Kampf. Elembaev entzog sich mehrfach Kampfsituationen, indem er die Kampffläche verließ. Eine Verwarnung oder gar Disqualifikation wie es im 98kg Freistilkampf geschah blieb allerdings aus.

Felix Wächter ließ sich vom Geschehen nicht beeindrucken. Gegen den erfahrenen Deward Stier zeigte er eine souveräne Leistung und brachte einen ungefährdeten 5:0-Sieg nach Artern. Zwei weitere Mannschaftspunkte kamen auf das Konto der Arterner.

Zum Abschluss standen sich mit Jan Zizka und Daniel Varga zwei bestens bekannte Trainingspartner gegenüber. Beide kennen sich in- und auswendig, was einen solchen Kampf nicht unbedingt leichter macht. Entsprechend eng entwickelte sich das Duell. Eine Rolle von Varga in der ersten Runde gab letztlich den entscheidenden Ausschlag. Jan musste sich knapp mit 1:3 geschlagen geben.

Damit war die Aufholjagd beendet.

Potsdam gewann sechs der zehn Kämpfe und ging damit verdient als Sieger des Kampfabends von der Matte.
Gleichzeitig bleibt aus Arterner Sicht der Eindruck, dass eine konsequente Kampfrichterlinie an diesem Abend nicht immer auf beiden Seiten gleichermaßen angewendet wurde.

Doch die Niederlage allein auf die Entscheidungen zu schieben, wäre zu einfach. Die verletzungsbedingten Ausfälle von Sebastian Warchol und Michal Tomaszewski wiegen schwer und können derzeit noch nicht vollständig kompensiert werden.

Was bleibt, ist deshalb vor allem der Blick auf die zweite Hälfte. Die Arterner Germanen zeigten, dass sie auch an einem schwierigen Abend nicht aufgeben. Vier Siege nach der Pause waren dafür der beste Beleg.

Am kommenden Wochenende wartet bereits die nächste wichtige Aufgabe. In Hannover soll aus dem gezeigten Kampfgeist endlich der erste Saisonsieg werden. Über Unterstützung unserer Fans vor Ort würden wir uns freuen!

AC, AC, AC!

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