Die Jahre von 1946 bis 1960

Die Jahre von 1946 bis 1960

Nach den Kriegswirren entwickelte sich die Sportarbeit im Verein äußerst schleppend. Es war schwer, eine neue Grundlage für das Sporttreiben zu schaffen. Doch bereits im Jahr 1946 war es wieder soweit. Die wenigen älteren Sportfreunde führten gemeinsam mit jüngeren entwicklungsfähigen Athleten das erste Training und die ersten Wettkämpfe durch. Gerade die Zusammensetzung von älteren und jungen Sportlern schuf die Voraussetzung für die großen Erfolge der Arterner Motorringer in den 50er und Anfang der 60er Jahre.

Die erfahrenen älteren Sportfreunde, wie Walter Pieper, Fritz Pillep, Karl Pillep, Otto Pillep und Paul Schubert, gemeinsam mit den jungen, wie Heinz Abicht und Hans Wagner, verstanden es, Stück für Stück die Mannschaft wieder neu aufzubauen. Zuerst durch Freundschaftskämpfe, dann bei den ersten Punktkämpfen in der Kreisklasse wurde der Weg zu neuen Erfolgen beschritten.

Die DDR-Vizemeisterstaffel von 1955 ist die erfolgreichste Männermannschaft der Vereinsgeschichte. Unser Motor-Team gehörte in den 50er Jahren und Anfang der 60er Jahre zu den besten Mannschaften der DDR und in Deutschland insgesamt. Stehend von links nach rechts: Gerhard Helm, Manfred Deinert, Walter Göbel, Stefan Bohner, Alfred Rathmann.Mittlere Reihe: Trainer Fritz Pillep, Fritz Fleischhauer, Günter Kielhorn, Hans Wagner und Vorsitzender Karl Pillep jun. sowie Heinz Abicht.

Dann kam der Aufstieg in die DDR-Oberliga. Für die junge Mannschaft, betreut von den älteren Sportfreunden, war dieser schnelle Aufstieg im Jahre 1951 eine harte Bewährungsprobe. Im ersten Jahr hatte die Mannschaft schwer zu kämpfen, um erfolgreich in der höchsten Leistungsklasse gegen die erfahrenen Mannschaften zu bestehen. Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden und hart war der Weg zu den ersten Erfolgen. Doch bereits im Jahr 1954 konnte ein zu dieser Zeit nicht erwarteter III. Platz in der DDR-Oberliga erkämpft werden. Jetzt ging es ständig aufwärts. Mit der Entwicklung des Nachwuchses stellten sich die älteren Mitglieder als Funktionäre zur Verfügung und ein junges Mannschaftskollektiv entwickelte sich.

Arterner Schwerathleten siebenmal Gastgeber für Nationalteams

Diese Länderkämpfe in der Chronologie …

1957 DDR: Frankreich/Ringen  

1958 DDR: Sowjetische Armeeauswahl/Ringen  

1959 DDR: Tschechoslowakei/Ringen  

1967 DDR: Frankreich/Ringen  

1974 DDR: Ungarn/Gewichtheben  

1983 DDR: Tschechoslowakei/Ringen  

1989 DDR: Schweden/Ringen

Aus den ersten Mannschaftserfolgen mit Heinz Abicht, Harry Fehse, Fritz Gerhardt, Fritz Günther, Hans Heinicke, Walter Pieper, Otto Pillep, Rudi Schinköth, Paul Schubert und Hans Wagner entwickelte sich eine Stamm-Mannschaft mit Heinz Abicht, Manfred Deinert, Harry Fehse, Fritz Fleischhauer, Gerhard Helm, Günter Kielhorn, Alfred Rathmann und Hans Wagner, zu denen später Stefan Bohner, Walter Göbel, Georg Hanke, Kurt Hausik und Walter Richter hinzukamen, die zu einer der besten Mannschaften der DDR wurde.

Im Jahr 1955 stand die Motorstaffel erstmals im Finale um die DDR-Mannschaftsmeisterschaft. Nachdem unser Team vorher solche Mannschaften wie Motor Suhl, Rotation Greiz und Motor Zella Mehlis, die seit Jahrzehnten einen guten Namen im gesamtdeutschen Ringkampfsport haben, ausgeschaltet hatte, war im Endkampf der mehrfache DDR-Meister SC Chemie Halle-Leuna der Gegner. Nach beherztem Vorkampf in Leuna musste die Motorstaffel beim Rückkampf in der Versandhalle des Trägerbetriebes Kyffhäuserhütte Artern vor 2000 Zuschauern nach ausgeglichenem Kampf eine knappe Niederlage hinnehmen. Unsere Mannschaft wurde dadurch Deutscher Vizemeister und errang somit einen weiteren großartigen Erfolg für den Arterner Sport.

Auch in den folgenden Jahren war die Motormannschaft in der Spitzengruppe der DDR-Oberliga zu finden. Sie war im Jubiläumsjahr 1960 noch die einzige BSG-Mannschaft der DDR, die neben den Sportclubmannschaften SC Motor Zella-Mehlis, SC Chemie Halle-Leuna, SC Lokomotive Leipzig, SC Motor Jena und SG Dynamo Luckenwalde zu den sechs Mannschaften der Oberliga gehörte.

In gesamtdeutschen Vergleichskämpfen, die fest zum Wettkampfgeschehen unserer Oberligastaffel gehörten gab es zahlreiche Erfolge gegen westdeutsche Mannschaften. Hervorzuheben sind die Siege über die zur Spitzenklasse Westdeutschlands zählenden Mannschaften wie ASV Köln-Mühlheim mit 5:3 Punkten, KSV Hinschenfelder Sportverein Hamburg mit 6:2 Punkten, ASV Siegfried Koblenz mit 11:5 Punkten, KSV Oberhausen mit 9:7 Punkten, KSV Lampertheim mit 10:6 Punkten, Westberliner Stadtauswahl mit 6:2 Punkten und beim Rückkampf mit 5:3 Punkten gegen das stärkste Westberliner Aufgebot. Im Rahmen dieser großartigen Serie verlor die Staffel lediglich einmal, und dies mit 7:9 Punkten beim Rückkampf in Koblenz. Gegen den KSV Duisburg trennten sich die Unstrutstädter 4:4 unentschieden. Alle weiteren nationalen Vergleichskämpfe wurden u. a. gegen Gießen, Bochum, Hemsbach und Röthenbach hoch gewonnen.

Auch im internationalen Sportverkehr wurde das Arterner Ringerlager zu einem Begriff. Gegen eine sowjetische Nachwuchsauswahl gab es ein achtbares unentschieden. Der Staffel von Lokomotive Moskau unterlagen wir auf der Freilichtbühne vor rund 2000 Zuschauern knapp mit 7:9 Punkten. Gegen die verstärkten schwedischen Spitzenmannschaften Sparta Malmö und Straßenbahner-Sportclub Stockholm unterlag unsere Mannschaft mit 7:9 und 5:11 Punkten.

Auch im Gewichtheben war Motor Artern Anfang der fünfziger Jahre eine leistungsstarke Streitmacht. Dabei erzielte Hans Wagner mit dem III. Platz bei den Studentenweltmeisterschaften 1951 in Berlin den bis dahin größten internationalen Erfolg für unser Heberlager. Hans Heinicke wurde in dieser Zeit DDR-Jugendmeister und Gerhard Wagner erkämpfte den Vizemeistertitel.

Neben dem Ringen und Gewichtheben pflegten unsere Schwerathleten auch den Rasenkraftsport und erzielten dabei gleichfalls beachtliche Erfolge. So war Rudi Litzmann von 1952 bis 1957 der beste Rasenkraftsportler Gesamtdeutschlands und wurde in diesen Jahren sechsmal in Folge gesamtdeutscher Meister. Auch Harry Fehse erkämpfte in dieser Disziplin einen Deutschen Meistertitel. Albert Braune, Fritz Pillep, Karl Pillep und Richard Rabenhold rundeten die gute Bilanz unserer Rasenkraftsportler mit weiteren Medaillengewinnen bei mehreren Deutschen Championaten erfolgreich ab.

Seit dem Aufstieg der Ringerstaffel in die Oberliga entwickelte sich der Ringkampfsport zunehmend zur führenden Schwerathletikdisziplin in Artern. Nicht genug damit, dass die Männerstaffel als eine der Besten der DDR galt, sondern auch als Einzelkämpfer blieben die Unstrutstädter ständig in aller Munde. So waren in den 50er Jahren neun Arterner Mitglied der DDR-Auswahl. Heinz Abicht, Rudi Bechtloff, Manfred Deinert, Fritz Fleischhauer, Günter Kielhorn, Helmut Nohr, Alfred Rathmann, Günter Wagner und Hans Wagner nahmen an mehreren Länderkämpfen teil und errangen Medaillen bei internationalen Turnieren. Dazu sind folgende Nominierungen und Ergebnisse besonders hervorzuheben. In der Nationalmannschaft kämpften Günter Kielhorn 1952 in Leipzig gegen Rumänien, Heinz Abicht und G. Kielhorn 1953 in Sofia und Bukarest gegen Bulgarien und Rumänien. Günter Wagner 1957 in Berlin gegen Dänemark und Polen und Helmut Nohr 1958 in Polen. Fritz Fleischhauer belegte beim internationalen Turnier 1957 in Prag den 3. Platz sowie bei den Weltfestspielen in Warschau den 4. Platz und beim internationalen Turnier in Salzburg den 2. Platz. Günter Kielhorn wurde mehrfach Sieger bei internationalen Turnieren. Für Alfred Rathmann gab es beim internationalen Turnier 1958 in Straßburg den 1. Platz und Manfred Deinert errang beim Turnierstart in Salzburg einen 3. Platz. Günter Kielhorn wurde 1952, 1954 und 1957 jeweils DDR-Meister. Manfred Deinert errang 1957 den Meistertitel. Bei den gesamtdeutschen Meisterschaften in Stuttgart belegte Fritz Fleischhauer den 2. Platz, Günter Kielhorn den 3. Platz und Alfred Rathmann den 5. Platz. Im Jahr 1955 errang Alfred Rathmann in Bingen einen 4. Platz.

Aber auch die Motorjugend ließ aufhorchen. Denn Günter Wagner und Werner Henze wurden 1957 bzw. 1958 jeweils DDR-Meister.

Auch unsere Jugendstaffel machte in dieser Zeit mit dem Gewinn der DDR-Vizemeistertitel bei den Mannschaftsmeisterschaften 1956 und 1957 eindrucksvoll auf sich aufmerksam. Im Jahr 1958 gelang dann der Jugendstaffel, die von Jugendwart Klaus Dumke und Trainer Fritz Pillep langfristig und umsichtig ausgebildet wurde, mit dem Gewinn des DDR-Meistertitels der ganz große Wurf.

Bei dem in der Werksküche der Kyffhäuserhütte ausgetragenen Championat setzten sich die Motor-Jungen vor stimmungsvoller Heimkulisse in den Finalbegegnungen gegen Dynamo Grimmen und SC Motor Zella-Mehlis durch. Unsere Mannschaft startete bei diesem Titelgewinn in der Besetzung Karl Bechtloff, Rudi Bechtloff, Adolf Domaschka, Hans Goß, Rolf Göbel, Werner Henze, Horst Melzer, Horst Miosga, Helmut Nohr und Rudi Städing.

Mit dem Meistertitel hatte sich die Jugendmannschaft gleichzeitig die Qualifikation und das Gastgeberrecht für die im gleichen Jahr zu Pfingsten ausgetragene gesamtdeutsche Finalrunde um den Wanderpokal der FDJ gesichert. Für diese Endrunde, welche aus organisatorischen Gründen nach Bad Frankenhausen verlegt wurde, hatte sich unsere Vertretung mit Sportlern des damaligen Bezirkes Halle verstärkt. Im Turnier selbst war das Team nicht zu schlagen und besiegte nacheinander Neubrandenburg, Baden-Pfalz, Westberlin, Zella-Mehlis und Leipzig sowie den Pokalverteidiger Bayern. Mit dem Gewinn des FDJ-Pokals war das begehrte „Doppel“ und damit der größte Erfolg unserer Jugendmannschaft perfekt.

Vom 18. bis 26. Juni 1960 beging das Arterner Schwerathletiklager anlässlich des 60jährigen erfolgreichen Wirkens eine Festwoche. Im Rahmen der zahlreichen Veranstaltungshöhepunkte gab es zum Gedenken an Werner Seelenbinder nach 1953, nunmehr die zweite Aufführung des DEFA-Films „Einer von uns“ auf der Freilichtbühne.

Arterns Weltergewichtler Harry Fehse, der den Hauptdarsteller Günter Simon für die Dreharbeiten als Ringer ausgebildet hatte, wirkte in dem Streifen als Kampfrichter mit. Sportlicher Höhepunkt des Athletenfestes war zweifellos der Ringer-Freundschaftsvergleich gegen die Stadtauswahl von Wroclaw/Polen. Die Arterner erzielten in diesem Vergleich, der vor 1800 Zuschauern auf der Werner-Seelenbinder-Freilichtbühne stattfand, einen viel bejubelten 5:3 Sieg.

Aktive und Betreuer der erfolgreichen Oberliga-Zeiten in den 70er Jahren. Von links nach rechts (knieend):  Johann Barutsch,  Alfred Rathmann (Trainer),  Bernd Geier, Zweite Reihe: Walter Lumpe, Reiner Pillep, Wolfgang Quente, Otto Weber, Jürgen Scholz. Dritte Reihe: Reihe von links nach rechts: Betreuer Willy Zimmermann, Horst Treske, Kurt Czudnochowski, Hartmut Fleischhauer, Klaus Beyse und Mannschaftsleiter Otto Meyer.

Im Ausblick der auch damals von der Druckerei Möbius gestalteten Festschrift zum 60-Jährigen wurde die Zukunftsorientierung wörtlich so beschrieben:

Für die kommende Zeit setzen wir unsere Hoffnungen auf unsere verjüngte I. Mannschaft mit Karl Bechtloff, Stefan Bohner, Manfred Deinert, Fritz Fleischhauer, Hans Goß, Werner Henze, Günter Kielhorn, Gerd Pillep, Alfred Rathmann, Gerhard Stibane, Arno Voß und Hans Wagner und auf unsere entwicklungsfähige Jugendstaffel, die in diesem Jahr einen guten Schritt nach vorn getan hat und bei der Bezirksmeisterschaft dem späteren Deutschen Mannschaftsmeister SC Chemie Halle-Leuna eine gleichwertige Partie lieferte.

Es waren dies: Karl Bechtloff, Michael Breiter, Kurt Czudnochowski, Dieter Grosche, Peter Kopf, Peter Laßler, Horst Miosga, Ulf Oppermann, Gerd Pillep, Karl-Heinz Pillep, Horst Treske und Rainer Steinke. Und natürlich bauen wir auch vordergründig auf die weiteren hoffnungsvollen Nachwuchssportler sowie unsere kampfbegeisterten 25 bis 30 Schüler, die an die großen Erfolge und Traditionen im Arterner Ringersport anknüpfen sollten.

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